John Cranko - Aufenthalt in London

Nachdem John Cranko in London einige Wochen in die Sadler's Wells Ballet School gegangen war, hatte er bald die Möglichkeit, mit deren Compagnie und dem Royal Ballet aufzutreten. Ninette de Valois, Leiterin beider Truppen, förderte seinen Ehrgeiz. Weil aber auch andere Talente Chancen bekommen sollten, kamen die ersten Choreographien über einen bescheidenen Rahmen nicht hinaus.

 

Das 1949 für die Touring Company geschaffene "Sea Change" brachte die Freundschaft mit dem Maler John Piper, dessen Einführung in die Bildende Kunst seinen immer weitreichenderen schöpferischen Kosmos begründete.

 

Anlässlich eines Gastspiels des New York City Ballet wurde der vielversprechendste britische Choreograph für einen Auftrag gesucht. Frederick Ashton hatte Cranko nominiert. "The Witch" hatte keinen dauerhaften Erfolg, doch immerhin wurde er zum Resident Choreographer des Sadler's Wells Theatre Ballet ernannt.

 

Für "Harlequin in April" erteilte Cranko seinen ersten Kompositionsauftrag. Im Jahr darauf kam es mit "Bonne-Bouche" zum ersten Auftrag für die größere Covent Garden Company - als Sommertheater am Themse-Ufer. Das vom Dirigenten Charles Mackerras vorgeschlagene und später revidierte "The Lady and the Fool" wurde später auch nach Covent Garden übernommen und vor allem beim ersten Russland-Gastspiel zum gefeierten Erfolg.

Dennoch nahmen die Aufträge immer mehr ab, weil Ninette de Valois das Klassiker-Repertoire nicht einschränken wollte und außerdem Ashton den Vorzug gegeben hatte. Die Einladung ausländischer Compagnien kam im rechten Augenblick. In dieser Phase entstand u.a. für die Grand Opéra Paris "La belle Hélène" zu Offenbachs Musik. Das erste englische abendfüllende Ballett "Der Pagodenprinz", komponiert von Benjamin Britten, erforderte eine Revidierung. Seine für Aufführungen des Balletts der Mailänder Scala in Venedig geschaffene "Romeo und Julia"-Version war 1958 dagegen ein großer Triumph.

 

Private Schatten legten sich auf seine Erfolge. Als er homosexueller Vergehen bezichtigt und von der konservativen Presse bedrängt wurde, hatte er die Wahl zwischen Resignation und einem weiteren Ortswechsel. Svetlana Beriosova, die Ballerina des Royal Ballet, vermittelte ihm mit Hilfe ihres in Stuttgart als Ballettmeister fungierenden Vaters die Einladung, dort ein Stück nach seiner Wahl einzustudieren. Was dieser Schritt auslösen sollte, konnte zu diesem Zeitpunkt niemand ahnen.

 

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