John Crankos Arbeitsstil

Crankos künstlerische Revolution im Sinne einer Zusammenführung von Alt und Neu zu einer zeitlosen Symbiose ist in seiner umfassenden Bildung, seiner hellwachen Aufnahmebereitschaft für Ereignisse in der Umwelt, seinem besonderen Interesse an der vielfältigen Charakteristik des Menschen begründet.

 

Es war ihm besonders wichtig, das Ballett vom rein Artistisch-Virtuosen, von konventionellen Rastern der Zurschaustellung bestimmter Formen zu befreien. Die Motorik des Tanzes und der Musik sollte vielmehr aus dem stringenten und glaubhaften Handlungsverlauf bzw. aus den einzelnen Charakteren in Gang gesetzt werden.

 

Da aber Solisten und Gruppen eine gleichrangige Würdigung erfahren sollten, konzipierte er seine großen Handlungsballette >>"Romeo und Julia", >> "Onegin", >>"Der Widerspenstigen Zähmung" und >>"Schwanensee" so, dass die Soli und der Gruppeneinsatz handlungsgemäß einander bedingen und nie dem reinen Selbstzweck dienen. Auch die nicht zu ganz großem Ruhm gelangten Abendfüller wie "Coppelia", "Der Nussknacker" und besonders "Carmen" sowie viele der kürzeren und abstrakten Stücke kennzeichnen die Durchgeformtheit und Konzentriertheit seines Arbeitsstils.

 

Das Herz von Crankos Schaffen markieren die zu einer absoluten künstlerischen Höhe geführten Pas de deux. Die inneren und äußeren Vorgänge werden sowohl in lyrischer als auch in dramatischer Hinsicht mit einer bis dahin beispiellosen Intensität und erzählerisch-darstellerischen Kraft verbunden und mit den kniffligsten Hebe- und Sprungformationen präzisiert.

 

An die Tänzer stellt dies höchste künstlerische Anforderungen. Aus Crankos Schaffenskraft, seiner unnachgiebigen Qualitätsforderung, getragen von der Liebe zur Kunst und zum Menschen resultiert auch das hohe Ziel, das er mit Hilfe "seiner" Tänzer erreicht hat. Den vier besten davon widmete er schließlich die 1972 uraufgeführten >>"Initialen R.B.M.E.". Die vier Sätze von Brahms 2. Klavierkonzert wurden aus ihrer charakteristischen Struktur in Tanz übersetzt und gleichzeitig auf Marcia Haydée, Birgit Keil, Richard Cragun und Egon Madsen zugeschnitten.

 

In zahlreichen Neueinstudierungen und mit vielen nachfolgenden Tänzern, die in Crankos Rollenschöpfungen ein reichhaltiges Potenzial und entsprechende Entwicklungsmöglichkeiten vorfinden, hat sich die Dankbarkeit und klassische Zeitlosigkeit seiner Werke bis heute bewährt.